Chiang Mai – Teil 2

Für unseren dritten und damit vorletzten Tag in Chiang Mai machten wir mit unserer neuen Reisebekanntschaft Alex und Manu eigentlich einen gemeinsamen Zoobesuch aus. Daraus wurde dann aber ein Besuch bei den Tigern und Affen, was nicht weniger kurzweilig zu werden versprach. Veronika kümmerte sich um einen Fahrer, der uns den halben Tag rumchauffieren sollte – und das nur für ein geringes Entgelt von umgerechnet EUR 2,50 pro Person. Ein Schnäpperchen! Zuerst ging es, wie bereits erwähnt, zu den Tigern. Das Tigergehege lag nur etwa eine halbe Autostunde von der Innenstadt entfernt. Dort angekommen, mussten wir uns erstmal entscheiden, was wir streicheln wollen: Große Tiger, mittelgroße Tiger, kleine Tiger oder eine beliebig Kombination aus den drei genannten Optionen. Der Preis verhielt sich natürlich umgekehrt proportional zu der Größe des Tigers – je kleiner der Tiger, desto höher der Preis. Veronika, Manu und ich wählen den großen Tiger, Alex wählte das Paket mit allen drei Tigergrößen. Was kostet die Welt?! Bevor es aber zu den Tigern in den Käfig ging, gönnten wir uns noch ein Frühstück, die Henkersmahlzeit sozusagen. Der Tiger sollte später ja nicht leer ausgehen!

Wohlgenährt wagten wir uns in die Höhle des Löwen Tigers. Erstmal streichelten wir einen Tiger, der da so herumlag und gingen dann rüber zu einem etwas größeren Tiger, der ebenfalls einfach so herumlag. Dort sollten wir uns zu der Raubkatze dazusetzen, sie streicheln, ihren Schwanz in die Hand nehmen usw. Ruckzuck wurden wir vom komischen Wärter abgefertigt. Dann nach vielleicht insgesamt vier Minuten, also je einer Minute pro Person, sagte er, dass wir nun aus dem Käfig raus müssten. Vorher machte er noch ein Gruppenfoto von uns. Ciao zehn Euro! Na ja, wenigstens hat man mal einen Tiger gestreichelt. Dumm nur, dass die Tiere so “müde” waren. Das zumindest meinten die Wärter zu uns. Wers glaubt..! Die Tiger waren voll mit Schlafmitteln bis oben hin. Kein Tiger würde sich so streicheln lassen, wenn er nicht betäubt wäre. Die Wärter mussten den Tieren was zu spielen (Kokosnuss) geben, damit sie überhaupt was machten. Und plötzlich wird aus einer eigentlich einmaligen Erfahrung, ein moralisches Dilemma! Darf man das wilden Tieren für den eigenen Spaß antun lassen? Irgendwie hatte ich danach ein schlechtes Gewissen, mit meinem Geld eine Einrichtung mitfinanziert zu haben, die die Tiger eindeutig unter Drogen setzt. Im Anschluss besuchte Alex noch die mittelgroßen und die kleinen Baby-Tiger. Und hier bekam er richtig viel Zeit mit den Tieren. Ich würde mal schätzen über 10 Minuten je Gehege. Wie er die kleinen Tiger streichelte, konnte ich mir dann nicht mehr angucken. Diese armen Tiere werden in gekachelten fast sterilen Räumen gehalten und pro Tag wahrscheinlich von hunderten von Händen gestreichelt. So etwas Trauriges und einem wilden Tier Unwürdiges habe ich noch nicht erlebt! Alex meinte im Nachhinein, dass die Tiere alle nach Betäubungsmittel rochen, ganz ähnlich wie im Krankenhaus. Danach war eigentlich angedacht, dass wir uns den Stamm der Longnecks (Langhälse) angucken, also ein Volk, das goldene Halsringe trägt, wodurch ihr Hals (optisch) gestreckt wird. Es heißt, ihre Nackenmuskeln sind derart zurückentwickelt, das ihre Wirbelsäule bricht, wenn sie versuchen ohne ihren Halsschmuck zu leben, aber ich halte dies für einen urbanen Mythos. Jedenfalls hatte ich nach der Tigergeschichte keine Lust auf Menschen-Zoo. Und auch die anderen schienen keinen großen Wert mehr darauf zu legen, sodass wir uns entschieden, Affen angucken zu fahren. Was wir dort vorfanden, war noch schlimmer als das mit den Tigern. Das erste was wir sahen, war ein kleines Affen-Baby in einem unfassbar kleinen Käfig. Als ich an dem Käfig vorbei ging, gab ich dem Affen meinen Finger und das arme Ding klammerte sich mit seiner klitzekleinen Hand daran fest.

Eigentlich habe ich erwartet, Affen in ihrer freien Laufbahn zu sehen. In Thailand ist ja sowohl der dafür benötigte Platz als auch die entsprechende Natur vorhanden. Was wir aber zu sehen bekamen, war schlimmer als Zirkus (Ich finde, Zirkus ist was ganz Schlimmes für die Tiere!). Geschminkte Affen liefen mit Kleid und Sonnenschirm mit einer Kette um den Hals im Kreis, fuhren Fahrrad, warfen Kokosnüsse in einen Basketballkorb usw. Also ganz schlimm! Und die Affen, die nicht vor Publikum erniedrigt wurden, waren an Pflöcken angebunden und hatten höchsten die Möglichkeit, im Kreis zu gehen und zu warten, bis sie zum Einsatz kommen. Sie waren aber soweit auseinander, dass sie sich nicht einmal gegenseitig hätten lausen können.

Wir hielten es dort nicht lange aus und verließen nach rund 10-15 Minuten das Affengehege. Wir alle waren richtig geschockt, was mit diesen Tieren dort angestellt wird. Nun frage ich mich, kann ich meinen moralischen Maßstab hier in Thailand überhaupt anlegen? Ist Moral nicht etwas Kulturgebundenes, sodass ich gar nicht das Recht habe, jemanden hier aufgrund meiner moralischen Vorstellungen zu verurteilen? Mache ich es mir nicht zu leicht? Es ist natürlich einfach aus einem wohlhabenden Land zu kommen und solche Sachen hier in Frage zu stellen, wo ich doch weiß, dass ich nicht hier leben und diese Arbeit verrichten muss und jederzeit in mein behütetes Leben zurückkehren kann. Noch habe ich keine Antwort für mich gefunden, aber ich hoffe meine Reise durch Südostasien wird mir helfen, die richtige Perspektive zu finden

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