Adieu Chiang Mai, Bonjour Phuket!

An unserem allerletzten Tag in Chiang Mai wollten wir uns von Alex und Manu bei einem gemeinsamen Mittagessen verabschieden. Vorher waren wir aber – eigentlich per Zufall – noch auf einem Markt, der tatsächlich nur von Thais bevölkert wurde. Endlich mal etwas Authentisches ohne das ganze touristische Souvenir-Gedöns! Der Markt war sehr groß und bot von Essen über Spielzeug bis Kleidung alles, was man zum täglichen Leben braucht. Da es draußen regnete und der Markt überdacht war, drehten wir gleich mehrere Runden über den Markt. Veronika kaufte auch zwei, drei Sachen als Mitbringsel für ihre Freundinnen. Die Verkäuferin ließ aber nicht mit sich feilschen. Ich könnte mir vorstellen, das lag daran, dass dieser Markt so wenig touristisch war, sodass auch die Preise nicht um das Doppelte und Dreifache aufgeblasen waren. Wenn die Verkäuferin Veronika einen niedrigeren Preis gegeben hätte, wäre sie aus diesem Geschäft ohne Gewinn herausgegangen.

Danach waren wir noch in einem Internet-Café, um unsere jeweiligen, nächsten Reiseschritte zu planen. Noch in Bangkok haben wir beschlossen, uns nach Chiang Mai in Phuket zu trennen. Wir hatten zum einen unterschiedliche Auffassungen vom Reisen und zum anderen wollten wir uns nicht mehr zoffen, immerhin sind wir im Urlaub! Durch eine Freundin hat sie erfahren, dass es an der Westküste, sprich auch in Phuket, die ganze Zeit regnet und sich daher entschlossen, die Pläne bezüglich Phuket, Krabi und Ko Phi Phi zu verwerfen und direkt auf die andere Seite von Thailand nach Ko Samui zu gehen. Ich hingegen wollte in Phuket gucken, ob es sich lohnt, noch nach Ko Phi Phi überzusetzen oder vielleicht auch an die Ostküste zu fahren, aber nicht direkt nach Ko Samui, sondern etwas südlicher nach Nakhon Si Thammarat. Während wir also so dasaßen und recherchierten, rief Veronika plötzlich aus: “Sie haben es tatsächlich vom Konto abgebucht!” und fing sofort an zu weinen. Mir war natürlich klar, was sie meinte. Zwei Abende vorher hat sie an einem Geldautomaten versucht einen relativ hohen Betrag abzuheben. Der Automat akzeptierte die Eingabe, zeigte an, dass das Geld nun entnommen werden kann, ohne es auszuwerfen und stürzte dann einfach ab. Wir haben natürlich Fotos von der Fehlermeldung gemacht, haben aber gehofft, dass das Geld nicht von ihrem Konto abgegangen ist.
Auf dem Weg zu Alex und Manu sind wir dann auf der Straße dem süßesten Hundewelpen begegnet, den die Welt wohl je gesehen hat. Das hat unsere Laune deutlich gebessert. Mir hat das mal wieder gezeigt, dass das Leben schön ist. Egal wie scheiße es manchmal läuft, im Großen und Ganzen ist das Leben doch schön!

 

Nachdem wir uns wenige Minuten später mit Alex und Manu trafen, fuhren wir sogleich in die nächste Filiale der betreffenden Bank, diese war aber bereits zu. Also versuchten wir es telefonisch bei Veronikas Kreditbank in Deutschland, was ebenfalls nicht von Erfolg gekrönt war. Also gaben wir vorerst auf, denn das Kind war ja bereits in den Brunnen gefallen. Eile hal hier nicht mehr. Da die Zeit soweit vorangeschritten war, gingen wir nicht wie geplant in ein thailändisches Restaurant, sondern warfen uns ein paar Fritten und Cheeseburger bei McDonalds ein. Da ausnahmslos jeder von uns Cheeseburger gekauft hat (Alex sogar gleich acht Stück auf einmal, als Proviant für ihre anstehende mehrstündige Busfahrt) meinte der McDonalds-Mitarbeiter zu uns: “Ihr mögt wohl Cheeseburger?!”. Nach dem Essen brachten wir Alex und Manu zu ihrem Hotel und machten uns auf den Weg zu unserem, denn einige Stunden später sollte unser Flug nach Phuket gehen.

Im Nachhinein betrachtet, war es ein Fehler von uns einen Nachtflug zu buchen (Unser Flug ging um 23 Uhr und wir landeten um 0:50 Uhr in Phuket). Was haben wir uns nur dabei gedacht? Wir kamen also in Phuket an und kauften uns Minibus-Tickets zu unserem jeweiligen Ziel auf der Insel. Ich hatte mir ein Hostel an der Patong Beach im Westen der Insel gebucht und Veronika musste zum Busbahnhof in Phuket Town. Das liegt etwa eine halbe Autostunde von einander entfernt. Eigentlich kaufte nur Veronika sich ein Ticket. Ich sagte am Minibus-Schalter nur Patong und mir wurde ein grüner Zettel hingelegt, als ich nachfragte, wie oft die Minibusse denn fahren und von wo sie überhaupt starten, nahm die kleine, bissige Frau mein Ticket wieder weg und sagte “Go away, go away! The next, the next!” (Thais wiederholen gerne Worte zweimal). Weil ich das frech fand, bin ich dann auch tatsächlich weggegangen und habe mich bei den Taxifahrer erkundigt, wieviel eine Fahrt zur Patong Beach kostet. Die Antwort war 1.500 Baht, also VIERZIG EURO! Ja ciao, der Minibus kostet nur 150 Baht. Also zurück zum Schalter und schnell noch ein Ticket geholt. Aber denkste! Der Schalter hat nämlich eine Minute vorher zugemacht und die kleine, bissige Frau war schon bei der Abrechnung. Sie meinte, die nächsten Tickets gibt es wieder ab 6 Uhr morgens, also in rund fünf Stunden! Und dann schloss der Flughafen. Ich dummer Junge dachte Flughäfen und all ihre Läden haben 24 Stunden, sieben Tage die Woche auf. Vor meinem Reiseantritt bin ich ja 16 Jahre nicht geflogen und schon gar nicht über Nacht auf einem Flughafen gewesen, woher hätte ich das wissen sollen? Also setzten Veronika und ich uns auf eine Bank in der kalten, fast menschenleeren Flugzeughalle und harrten aus. Ich sage ‘fast’, weil da ja noch ein paar Flughafenmitarbeiter und  Taxifahrer waren. Diese haben die halbe Nacht Karaoke gesungen.  Asiaten sind echt abgefahren! Und wir haben hauptsächlich gefroren. Draußen hat es ohne Unterlass geregnet und war schwül, drinnen waren es maximal 20 Grad. Ich gab meine Jacke Veronika (sie hat für ihre vierwöchige Reise etwa 23 Tops mit, aber nichts, was sie bei Bedarf warm hält!) und deckte mich mit meinem Microfaser-Handtuch zu. Ja, Reisen ist ein hartes Geschäft! Wir saßen also da und warteten. Um kurz vor sechs Uhr ging Veronika sich wegen ihres Minibusses erkundigen. Dann kam sie wieder und ihr schossen die Tränen in die Augen. Die kleine, bissige Frau hat ihr ein Ticket vom Vortag verkauft. Für Veronika war das, glaube ich, alles ein bisschen zu viel: Erst die Abzocke auf dem Floating Market, dann der überteuerte Preis für die Elefantentour, die Sache mit dem Bankautomaten und jetzt das beim Verkauf schon verfallene Minibus-Ticket. Jedenfalls kam ein Taxifahrer zu uns und bot an, uns für einen immer noch stattlichen Preis zu fahren. Dann ging es irgendwie alles sehr schnell. Veronika ging mit den Mann mit und einigte sich mit ihm, eine kurze Umarmung zum Abschied und ab. Ich hingegen holte mir ein Minibus-Ticket und bekam gesagt, dass der nächste Minibus um 8 Uhr, also in zwei Stunden fährt. Also setzte ich mich wieder hin und wartete. In der Zwischenzeit gesellte sich ein redseliger alter Mann aus Australien zu mir, was die Wartezeit nicht unbedingt verkürzte. Nach drei Stunden, und nicht wie angekündigt nach zwei Stunden, ging dann unser Bus zu der Patong-Beach im Osten von Phuket. Noch im Auto nickte ich minutenweise weg. Ich brauchte dringend Schlaf! Der Minibus-Service bestand aber nicht nur darin, uns zur Patong-Beach zu fahren, sondern uns vor unserem jeweiligen Hotel rauszuwerfen. Ich war als Letzter dran. Unglücklicherweise hielt der Minibus direkt vor einer überfluteten Straße und der Fahrer meinte, dass mein Hostel einfach die Straße rauf zu finden ist. Ja herzlichen Glückwunsch! Etwas überfordert stand ich vor dieser überfluteten Straße und überdachte meine Möglichkeiten, immerhin war das Hostelzimmer bereits für eine Nacht bezahlt. Da ich jedoch nicht durch diese braune Brühe waten wollte, endschied ich mich, ein anderes Hotel zu suchen. Nicht unweit fand ich ein Guesthouse, das nett schien, also versuchte ich es da. Ich handelte die Frau an der Rezeption von 500 auf 400 Baht (umgerechnet 10 Euro) runter und buchte das Zimmer vorerst für eine Nacht. Im Zimmer fand ich ein großes bequemes Doppelbett vor und ging selbstredend sofort schlafen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Switch to our mobile site