Ko Samui – Teil 1

Nach drei Tagen Nakhon Si Thammarat beschloss ich meine Zelte dort abzubrechen. Eigentlich hatte ich meine Pläne bezüglich Ko Samui bereits verworfen und wollte mir noch eine andere Stadt auf dem Festland angucken, bevor es schließlich über Bangkok nach Myanmar geht, doch dann erreichte mich an meinem letzten Abend in Nakhon (Thais benutzen eher die Kurzform des Stadtnamens) eine Email von Veronika, in der es hieß, dass sie jetzt von Ko Samui nach Ko Tao weiterzieht und dass ich mir die Insel auf gar keinen Fall entgehen lassen sollte. Also ging ich zur Tourist Information und brachte in Erfahrung, wann und wo die Minibusse mit dem Ziel Ko Samui starten. Da die besagten Minibusse täglich zur jeder vollen Stunde fahren, schlief ich aus, checkte pünktlich um 12 Uhr aus meinem Hotel aus und lief die zwei Kilometer bis zum Minibus-Station zu Fuß. Dort angekommen, hieß es dann, dass der nächste Minibus erst zwei Stunden später startet. Da ich bereits ausgecheckt hatte und nicht wusste wohin, blieb ich einfach in der Station sitzen. Kurz darauf kam eine Frau und wollte ebenfalls nach Ko Samui, also verkaufte man ihr das Ticket und ich sah sie in den Minibus steigen. Da ich mich wunderte, warum die Frau in den Bus stieg und ich noch zwei Stunden warten sollte, fragte ich nach. Und siehe da, ich konnte doch mitfahren. Ich weiß nicht, ob die Ticketfrau und ich uns einfach missverstanden haben oder ob sie tatsächlich wollte, dass ich da zwei Stunden dumm rumsitze, jedenfalls bestieg ich den Minibus und wir fuhren direkt los. Dummerweise musste ich ganz hinten sitzen. Egal was ihr macht, setzt euch bei einer Überlandfahrt in einem Minibus nie nach hinten, ihr werdet jedes Schlagloch und jede Bodenwelle mit eurer Wirbelsäule abfedern. Hinten sitzen ist einfach nur ätzend! Glücklicherweise dauerte die Fahrt nur rund anderthalb Stunden und ich teilte mir die Rückbank, die auf vier magere Thais ausgelegt war, mit einem einzelnen Mädel. Während der Fahrt kam ich auch endlich hinter das Geheimnis, warum thailändische Fahrer sooft hupen. Das machen sie zum einen, um die anderen Verkehrsteilnehmer auf irgendwelche Gefahren (unter anderem sich selbst) hinzuweisen und zum anderen, und das ist die eigentliche Erkenntnis, hupen sie, wenn sie an Tempeln vorbeifahren. Die Fahrgäste hingegen legen schnell ihre Handflächen zusammen und nicken in Richtung Tempel. Ich vermute, das Hupen ist der Ersatz für dieses Handflächen-Zusammenlegen. Macht sich ja auch schlecht beim Autofahren. Wenn man von Nakhon nach Ko Samui möchte, steuert man nicht den Hafen in Surat Thani an, sondern den in Don Sak, das ist kürzer. Auch von dort setzen Fähren stündlich nach Ko Samui über. Übrigens sagt hier keiner Ko Samui, sondern nur Samui. Die Einheimischen wissen einfach, dass Samui eine Insel (Ko) ist. Ebensowenig sagt man Ko Phangan oder Ko Phuket, sodern immer jeweils nur den Inselnamen. Ausnahmen bilden zum Beispiel Ko Chang (Elefanten-Insel) und Ko Tao (Schildkröten-Insel), weil nur den Inselnamen zu nennen, wohl verwirrend wäre. In Don Sak angekommen, hieß es erstmal, dass die nächste Fähre in einer Stunde und fünfzig Minuten übersetzt. Wir sind also genau zehn Minuten zu spät angekommen. Also nahm ich in der Wartehalle Platz und versuchte die Zeit totzuschlagen. Als Ablenkung lief der Fernseher. Aber was da lief, machte mich dermaßen wütend, dass ich die Flucht antreten musste. Obwohl ich kein Wort verstand, war die Sendung dermaßen hohl, dass RTL2 daneben wie Qualitätsfernsehen wirkte. Ich floh in ein überteueres Café, auf dessen Tür “Free Wi-Fi” stand, das also eine kostenlose drahtlose Internetanbindung versprach. Nachdem ich mir etwas zu Essen gekauft habe, fragte ich wegen Internet nach, worauf es dann hieß: “No have!”. Das ist übrigens das englische Sprachniveau, das der überwiegende Teil der Thais beherrscht. Wohingegen die Schlepper vor den Shops für die Maßanzüge ein relativ gutes und verständliches Englisch sprechen. Übrigens sollte man nicht auf die günstigen Preise für die Maßanzüge hereinfallen. Die Preise, die dran stehen, beziehen nämlich lediglich auf die Arbeitsstunden. Der Preis für den Stoff selbst und die mögliche Anpassung im Nachhinein sind natürlich nicht mitinbegriffen. Nachdem ich jedenfalls die fast zwei Stunden Wartezeit irgendwie überstanden habe, nahm ich in der Fähre Platz und dann dauerte es wieder anderthalb Stunden.

Zufälligerweise saß das Minibus-Mädel (das aus meiner Sitzreihe) in meiner unmittelbaren Umgebung, sodass ich sie fragen konnte, ob es öffentliche Busse auf Samui gibt und was ein angemessenes Taxi-Beförderungsentgelt wäre. Auf der Insel angekommen, blieben wir noch kurz zusammen, denn sie musste auch in meine Richtung. Ich wollte nach Bo Phut, also in den Norden der Insel und sie, soweit ich mich erinnern kann, nach Chaweng. Das ist der nächste größere Strandabschnitt, etwa 15 Autominuten weiter im Uhrzeigersinn um die Insel. Samui an sich lässt sich komplett umrunden, denn die Insel weist einen Straßenring auf, wie man es vielleicht von Berlin kennt. Am Hafen angekommen, ging die Suche nach einem Transportmittel los. Mittlerweile weiß ich aus Erfahrung, dass die nächstgelegenen Fahrzeuge am teuersten sind und so lief ich ein paar zusätzliche Meter zu Fuß. Irgendwann meinte ich, einen angemessenen Abstand zu den Abzocker-Taxis zurückgelegt zu haben und ließ mich auf das Feilschen ein. Der erste Taxifahrer wollte 500 Baht für seine Mühe, also umgerechnet 13 Euro. Nachdem ich fertig war mit Lachen, lief ich zehn Meter weiter und nahm mir ein Sammeltaxi für 60 Baht. Der Preis mit 500 Baht war dermaßen unrealistisch, dass selbst der Kollege vom Taxifahrer lachen musste. Aber man kanns ja mal versuchen! Das Sammeltaxi war natürlich übervoll und so mussten die anderen Fahrgäste zusammenrücken, damit ich mich auch reinquetschen konnte. Mir gegenüber saß ein deutsches Pärchen, das ich fragte, ob es mir ein Hotel in Bo Phut empfehlen könnte. Das konnten die beiden leider nicht, aber es war trotzdem nett mit ihnen zu schnacken. Einen Abend später liefen wir uns auch per Zufall über den Weg. Samui ist echt ein Dorf! Obwohl das Sammeltaxi bereits voll war, hielt es noch mal an, um zwei weitere Menschen auf der Strecke aufzusammeln. Zeitgleich meinte der Fahrer zu mir, dass ich nun in Bo Phut wäre. Das schien mir höchst verdächtig! Aber die beiden Leute, die neu ins Taxi stiegen, versicherten mir ebenfalls, dass ich in Bo Phut sei. Nach dem Aussteigen sah ich einen Seven Eleven (so eine Art Aldi in klein) auf der anderen Straßenseite und wollte rüberwechseln. Da lief ein Mann in Uniform auf die Straße, hielt für mich den Verkehr an und winkte mich rüber. Das war jedoch kein Verkehrspolizist, sondern ein Hotelangestellter. Größere thailändischen Hotels haben nämlich Angestellte, die den ganzen Tag nichts anderes machen, als ihre Hotelgäste sicher über die Straße zu leiten und Autos raus- und reinfahren zu lassen. Nach dem Einkauf machte ich mich auf die Suche nach einem bezahlbaren Hotel. Ein weiteres Pärchen (natürlich Deutsche, hier gibt es echt viele Deutsche), das ich auf der Straße ansprach, empfahlen mir das Fisherman’s Village und begleitete mich auch noch das kurze Stück bis zum Eingang der Anlage. Und es sah in der Tat sehr nett aus! Im ersten Hotel, das ich ansteuerte, wollten sie 40 Euro die Nacht und im zweiten 65 Euro. Ich dachte schon, ich muss auf der Straße schlafen, da entdeckte ich ein Schild auf dem “Cheap Rooms” stand. Im Hinterhof einer Seitenstraße habe ich mir dann einen runtergekommenen Raum für rund 10 Euro genommen und mich dermaßen über meine Entdeckung gefreut, dass ich die augenscheinlichen Mängel (schmutzig, unter der Tür war ein faustgroßer Spalt usw.) übersah. Doch der kleine Raum mit hässlicher Wanddekoration hatte wenigstens ein großes Bett und ein echtes Klo, also nicht sowas zum Hinhocken wie in Nakhon. Nachdem ich dann eingecheckt habe, war das erste, was ich sah, eine riesige(!) Kakerlake. Ich hab vorsichtshalber drei Mal mit dem Schuh draufgehauen und habe den Kadaver der Kakerlake als Warnung für ihre Freunde dort liegen lassen. Da es bereits nach 20 Uhr war, ich aber an dem Tag noch nichts gegessen hatte, ging ich noch mal raus und suchte mir etwas zu Essen, was nicht mit Reis oder Nudeln zubereitet. war. Ich entschied mich für eine Pizza. Hätte ich das mal nicht gemacht! Der Pizzateig war sehr dünn und nicht gesalzen, es war kaum Tomatensauce auf der “Pizza” und selbst Käse hätte das Ding nicht gerettet, selbst wenn eine ausreichende Menge draufgewesen wäre. Insgesamt sehr unbefriedigend – und das für einen stattlichen Preis von umgerechnet 5,30 Euro! Enttäuscht ging ich ins Bett, konnte aber bis 3 Uhr nicht einschlafen, da mich die Mosquitos wachhielten. Erst da betrachtete ich die hässliche Wanddekoration etwas genauer. Es stellte sich heraus, dass der rosa Wandbehang in Wirklichkeit ein Mosquitonetz war. Nachdem ich es über mein Bett gespannt hatte, konnte ich schlafen wie ein Baby.

Am nächsten Tag schlief ich lange aus und schaute mir nach dem Aufwachen erstmal in aller Ruhe das Fisherman’s Village an. Da ich in Bo Phut im Dunkeln ankam, habe ich die unglaublich schöne Aussicht gar nicht wahrgenommen. Als ich merkte, wie schön sie ist, entschied ich spontan einen Day-Off einzulegen und gar nichts zu machen, außer vielleicht die schöne Aussicht zu genießen und die Küstenlinie abzulaufen. Gedacht, getan! Ich setzte mich in eins der überteuerten Strandrestaurants, bestellte mir ein kaltes Bier und sah mich am wunderschönen Meer und Strand satt. Da ich an einem Ende des Strands war, beschloß ich bis zum anderen Ende zu laufen. Ich würde schätzen, das ist eine Strecke von etwa zwei Kilometern. Barfuss lief ich den Strand entlang und kühlte meine Füße immer mal wieder im Meer ab. Eine echte Wohltat, denn es war sehr heiß und der Strandsand war recht körnig und tat nach einer Weile auch echt weh. Als ich da so entlang lief, grüßte mich ein Mädel und es stellte heraus, dass es das eine war, das mir mit ihrem Freund am Vortag das Fisherman’s Village empfohlen hatte. Nach einem kurzen Schnack lief ich weiter, wurde aber wieder abgefangen, diesmal von einer Frau, die Strandmassagen anbot. Da der Preis der niedrigste am ganzen Strand war, willigte ich ein und ließ mich eine Stunde lang durchkneten. Eigentlich wollte ich die Aussicht genießen, aber daraus wurde erst mal nichts, denn ich konnte mich nicht darauf konzentrieren, denn ich ließ mir ja wieder freiwillig Schmerzen zufügen und bezahlte noch dafür. Die Frau ging routiniert vor, lief auf meinem Rücken und meinen Oberschenkeln auf und ab und ließ meine Finger und Zehen knacken usw. Ich stehe auf diese traditionellen Thaimassagen!

Abends bin ich dann nochmal losgezogen, um etwas Essbares zu finden und wie der Zufall es wollte, traf ich Alex und Manu, also meine Reisebekanntschaft aus Chiang Mai nur 30 Meter von meinem Guesthouse entfernt. Das Lustige ist, dass ich etwa fünf Minuten früher eine SMS an Alex abgesetzt habe, in der ich ihn fragte, ob er und seine Frau ebenfalls schon auf Samui sind. Ihr Plan war nämlich, die letzten Tage ihr Hochzeitsreise auf der Insel zu verbringen. Jedenfalls kam meine SMS nie bei ihm an. Alex und Manu hatten auch vor Essen zu gehen, also schloss ich mich ihnen an. Sie wiederum hatten sich bereits einer Gruppe Touristen aus Deutschland und Österreich angeschlossen und so verbrachte ich einen witzigen Abend mit einem Haufen Deutscher und Österreicher. Zum Ausklang des schönen Abends, holten wir uns noch einen bezahlbaren Cocktail von der Straße. Interessanterweise wurden die Cocktails von einem jungen Thai verkauft, der perfekt Deutsch sprach. Der Arme wuchs nämlich im ‘schönen’ Wolfsburg auf. Er war recht gesprächig und so holten wir uns Tipps bezüglich Touren, die man auf Samui machen kann. Besonders interessiert waren Alex, Manu und ich an einer Besichtigung des Nationalparks auf einer der Nachbarinseln von Samui. Er riet uns ab, eine teuere Tour zu buchen und empfahl uns stattdessen mit einem geliehenen Boot selbst rüber zu fahren. Das klang vernünftig, also verabredeten Alex, Manu und ich uns für den übernächsten Tag, um diese Tour auf eigene Faust zu machen.

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