Nakhon Si Thammarat

Wie gesagt, ich war der einzige Ausländer in diesem Minibus nach Nakhon Si Thammarat, doch die fünf Stunden Fahrt waren ganz witzig. Ich saß eingequetscht zwischen drei Thais und hatte wohl den denkbar schlechtesten Platz im Minibus, denn ich hatte keine Kopflehne und keinen Vordermann, weil ich zum Gang raus saß, das heißt ich konnte mich nirgends anlehnen oder festhalten. Rechts von mir saßen zwei Mädchen, keine Ahnung wie alt, ich kann das Alter von Asiatinnen schlecht abschätzen und links von mir ein saß ein Taugenichts und vor dem Taugenichts saß sein Taugenichts-Freund. Beide waren etwa in meinem Alter. Den beiden Chaoten sah man einfach an, dass sie nichts auf die Reihe kriegen. Aber sie waren nett. Das weiß ich, ohne ein Wort mit ihnen gesprochen zu haben, da reicht Mimik und Gestik. So wollten sie mit mir ihr Essen teilen, aber ich lehnte höflich ab. Und sie waren witzig. Auch das scheint universell zu sein und ohne Sprache zu funktionieren. So fiel dem Taugenichts neben mir beim Reden der Kaugummi aus dem Mund. Sein Taugenichts-Freund und ich haben uns kaputt gelacht. Die fünf Stunden gingen recht schnell vorbei, denn der Fahrer machte uns den neuen Marvel-Film “The Avengers” an. Natürlich auf Thailändisch. Etwas zu früh freute ich mich über die englischen Untertitel. Diese wurden nur sporadisch eingeblendet und dazu entstellten sie noch den Sinn des Films. Ich weiß es, weil ich ihn bereits gesehen habe. Das war wohl keine Original-DVD, die man uns dort zeigte. Nach rund 90 Minuten war der Film vorbei und die restlichen dreieinhalb Stunden hörten wir uns thailändische Popmusik an. Der Taugenichts neben mir sang die ganze Zeit ungeniert mit. Nach fünf Stunden Fahrt hielten wir an und es hieß, wir seien da, doch überprüfen konnte ich das nicht. Ich fragte die beiden Mädchen rechts neben mir, ob sie ein günstiges Hotel kennen. Leider kannten sie keins, aber sie fragten einen Mann auf der Straße und der wies mir den Weg. Nach rund 500 Metern fand ich ein Hotel, aber ich bezweifle, dass es das war, welches der Mann meinte. Aber das war mir egal. Ich ging rein und fragte nach einem Einzelzimmer. Natürlich nahm ich den Raum zuerst in Augenschein, bevor ich ihn buchte. Nehmt euch in Asien nie ein Zimmer, bevor ihr es nicht gesehen habt! Der Raum war sehr spartanisch eingerichtet, kostete aber auch nur umgerechnet 3,60 Euro die Nacht. Ich nahm das Zimmer vorerst für eine Nacht.

Da ich Hunger hatte, ging ich los, um mir ein nettes Restaurant zu suchen. Auf dem Weg sah ich eine kleine Bäckerei und kaufte mir dort eine Art Donut. Ein betrunkener alter Mann mit sehr wenig Zähnen, der in diesem Laden saß, stürmte lächelnd auf mich zu und gab mir die Hand und wollte mich gar nicht mehr loslassen. Er freute sich wirklich mich zu sehen. So viele Touristen kommen wohl nicht nach Nakhon (die Leute hier nutzen nie die Langform). In den vier Tagen in dieser Stadt habe ich keinen anderen Touristen getroffen und ich glaube, ich war der einzige Gast in meinem Hotel. Nachdem ich dann etwas orientierungslos herum gelaufen bin, fand ich einen Markt, aber da ich nicht wirklich Lust auf Essen von der Straße hatte, suchte ich mir ein kleines Restaurant, in dem ich dann ein Rührei mit Shrimps bestellte. Da ich diesem Laden jeden Tag einmal essen war und immer etwas mit Shrimps hatte, habe ich mich an diesem Meeresgetier erst einmal überfressen!

Am nächsten Tag stand ich etwas zeitiger auf, denn ich wollte mich um ein neues Hotel kümmern, meins hatte ich ja lediglich nur für eine Nacht gebucht. Also begab ich mich auf die Suche nach einem günstigen Hotel mit einer echten Kloschüssel und möglicherweise sogar Wi-Fi, spricht drahtlosem Internet auf dem Zimmer. Leider fand ich kein günstiges Hotel mit diesen Eigenschaften und blieb aus finanziellen Erwägungen in meinem Billig-Zimmer. Da die Sache mit dem Hotel nun abgehakt war, ging ich los mir die Stadt anzugucken. Diese besteht im Grunde aus einer langen Hauptstraße und kleineren Parallelstraßen. Jede Straße scheint sich einem anderen Produkt verschrieben zu haben. In einer Straße werden ausschließlich Singvögel verkauft, in einer anderen nur Hochzeitskleider, eine weitere beheimatet alle Essensstände. Interessantes Prinzip!

Über die Tage guckte ich mir die wichtigen Sehenswürdigkeiten der Stadt an und probierte einige weitere Restaurants aus. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie glücklich ein Thunfisch-Sandwich macht nach drei, vier Wochen Nudeln und Reis! Zu den erwähnten Sehenswürdigkeiten zählen unter anderem diverse Tempel und auch die alte Stadtmauer, welche vom Königsgeschlecht Si Thammasokarat erbaut worden ist. Was früher lediglich ein Erdwall war, wurde im 18. Buddhistischen Jahrhundert mit Ziegelsteinen überpflastert. Wie sich jedoch unsere Zeitrechnung von der Buddhistischen unterscheidet, habe ich nicht in Erfahrung gebracht, dafür hatte ich nicht die Muße, das kann jeder für sich machen! Was ich jedoch in Erfahrung gebracht habe, ist das Alter der Stadt. Diese ist beachtliche 1.500 Jahre alt. Ich glaube aber nicht, dass es die Sehenswürdigkeiten sind, wegen der ich einen Besuch in dieser kleinen Stadt empfehlen würde. Es ist eher ihr Charme und ihre ‘Naivität’, wobei der Begriff auch nicht hundertprozentig das wiedergibt, was ich sagen möchte. Die Stadt ist so ruhig und touristisch nicht totgetrampelt, wie es Bangkok oder eben Phuket leider sind. Wie süß es war, als der Hotelbesitzer mir mit ernster Miene erklärte, dass um Mitternacht die Eingangstür verschlossen wird. Wie auf dem Dorf! So etwas wäre in einer großen Stadt unvorstellbar. Ebensowenig einsprachige Speisekarten komplett auf thailändisch. Da war ich in einem kleinen Restaurant und habe einfach geraten, also zufällig auf thailändische Wörter gezeigt und bekam dann Suppe.

Und auch nirgendwo anders habe ich bis jetzt diese Vielfalt an Schuluniformen gesehen. Jede Schule scheint hier eine eigene zu haben und es gibt wohl eine Menge Schulen in dieser Stadt. Ebenso scheinen die Schulen Spezialisierungen zu haben. Denn neben ‘normalen’ Schuluniformen, gibt es auch Sportuniformen und auch Militäruniformen. Die Stadt ist am Nachmittag geradezu übervölkert mit Schülern. Mädchen tragen, abhängig vom Alter, überknielange Faltenröcke oder knielange enge Röcke und eine Bluse. Jungen dagegenn tragen kurze Hosen, die aber deutlich über das Knie reichen, ältere Jungen tragen eine lange Hose. Sowohl die kurze als auch lange Hose weisen eine Bügelfalte auf. Auch nicht selten sind schick gefaltete Halstücher, wie sie die Pioniere früher trugen, falls sich noch jemand erinnern kann. Alles in allem erinnerte mich das Bild an meine eigene Grundschulzeit in Russland. An meinem dritten und letzten Abend in Nakhon Si Thammarat wurde ich sogar von einer Horde Schülerinnen zu meiner Thailandreise interviewt. Das Ganze wurde von ihnen fachmännisch mit dem Handy aufgenommen und soll ihm Rahmen ihres Englischunterrichts der Klasse gezeigt werden. Alles in allem eine sehr nette Stadt!

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