Phuket

Insgesamt war ich vielleicht vier Tage auf Phuket und im Grunde ähnelten sich die Tage dort schon sehr. Der Tagesablauf wurde mehr oder minder durch das Wetter bestimmt. Meist hat es bis Mittag geregnet, dann war es sonnig oder bewölkt aber trocken und abends hat es wieder geregnet, d.h. ich hatte nur ein kleines Zeitfenster, um die Insel oder besser die nähere Umgebung zu erkunden. Am ersten Tag nach meiner Ankunft ließ der Regen aber selbst einen Strandspaziergang nicht zu und so ging ich Essen und ließ mich ein weiteres Mal auf die  traditionelle Art und Weise massieren. Ich bin schließlich im Urlaub. Wenn man auf Phuket thailändisch essen gehen möchte, muss man sich Essen vom Markt holen. Die Insel wird ansonsten von teuren indischen Restaurants dominiert. Selbst ein russisches Restaurant habe ich gefunden, habe mich aber aufgrund der stolzen Preise und der Tatsache, dass es bestimmt ganz anders als zuhause schmeckt, nicht hineingetraut.

Insgesamt scheint Phuket von Russen übervölkert zu sein. Hier sind alle Speisekarten zweisprachig, englisch und russisch. Und es gibt sogar eigene russische TV-Sender auf Phuket. An meinem zweiten verregneten Abend habe ich mir den großartigen Film “Die Verurteilten” auf Englisch mit russischem Over-dub angeguckt. Da ich den Film zehntausend Mal gesehen habe, wusste ich eh was die jeweiligen Darsteller sagen. Falls jemand noch nie einen Hollywood-Film mit russischem Over-dub angeguckt hat, sollte er das mal machen, es ist großartig. Im Grunde spricht ein emotional wenig engagierter Synchronsprecher alle Rollen in seiner monotonen Stimme und achtet dabei peinlich genau darauf, nicht lippensynchron zu sein. Im Hintergrund hört man natürlich die englische Tonspur durch. Zum Film gab es thailändisches Essen, sprich, ich war auf dem besagten Markt. Das Essen auf dem Markt ist wesentlich günstiger als im Restaurant und wenn man das Gefühl hat, man wird gerade übervorteilt, kann man feilschen. Das geht in Restaurants üblicherweise nicht. Auf dem Markt bietet jeder Stand etwas anderes zu essen an und so stellt man sich sein Menü selbst zusammen. Ich holte mir gebratene Nudeln mit Ei und Garnellen, einen gebratenen Hühnerschenkel und süße Teilchen, die in Fett ausgebacken sind und ein wenig an kleine Quarkkeulchen ohne Puderzucker erinnern. Dazu gab es einen Fruchtshake, die sind in Thailand der Hammer!

Am nächsten Tag war es sonnig, sodass ich beschloss ans Meer zu gehen. Der Strand lag so etwa 15 Minuten von meinem Guesthouse entfernt. Dieser bereitete mir aber überhaupt keine Freude, denn er war voller Abfall. Ich frage mich, ob es den Leuten bewusst ist, dass wenn sie ihren Müll ins Meer schmeißen, dass dieser mit der nächsten Flut wieder am Strand liegt. Dieser nachlässige Umgang mit der Natur ärgert mich, immerhin ist das das Kapital der Thais. Wenn es sich rumspricht, dass die Strände hier so schmutzig sind, werden die Touristen ausbleiben und die Leute hier müssen ihre hunderttausend Massageläden einstampfen und womöglich ehrlicher Arbeit nachgehen.

Das ist ebenfalls etwas, was mich ärgerte. Die Anzahl der Massageläden entspricht auf Phuket in etwa der Anzahl der Touristen und davor stehen Frauen, die die ganze Zeit ‘Massaaaaaaaaaage’ rufen, sich dir in den Weg stellen und dich am Arm packen, um dich auf ihren Service aufmerksam zu machen. Als ob ich taub und blind wäre! Außerdem bin ich mir sehr sicher, dass die Hälfte dieser Frauen Ladyboys sind und wer will das schon? Wobei ich immer wieder alte weiße Männer mit solchen Ladyboys gesehen habe. Hier scheint soetwas nicht ungewöhnlich zu sein. Am Abend habe ich mich wieder auf die Suche nach Köstlichkeiten auf dem besagten Thaimarkt begeben und holte mir Reis mit Hähnchen und scharfer Sauce (hier gibts die Saucen in in kleinen aufgeblähten Plastiktüten mit komplizierter Gummiband-Schnürung), gegrillten Fisch und weiteres Mal die bereits erwähnten süßen Teilchen. Alles war lecker, nur der Fisch roch ein bisschen nach Urin. Obwohl er nicht schlecht schmeckte, konnte ich ihn nicht essen! Übrigens, falls sich jemand fragt, warum ich denn so lange auf Phuket geblieben bin, obwohl es jeden Tag regnete, ist die Antwort einfach: Ich wollte ursprünglich von Phuket nach Ko Phi Phi übersetzen. Die Insel soll richtig traumhaft sein. Das war zumindest der Plan, aber ich wollte dort nicht festsitzen bei ähnlichem Wetter wie auf Phuket, also wartete ich ab und studierte täglich die Wettervorhersagen. An meinem vorletzten Tag auf Phuket wollte ich eigentlich in den nicht weit entfernten Nationalpark, aber das Wetter war wieder unbeständig, sodass ich den Plan wie auch den Tag zuvor wieder verwarf. Ich wollte nicht ein kleines Vermögen für die Tour ausgeben und dann auf halber Strecke umkehren müssen, weil es wieder stark regnete, also habe ich besseres Wetter abgewartet und habe mir eine andere Gegend in der Umgebung angeguckt. Hier sah ich auch zum ersten Mal einen kleinen Verkaufsstand mit Glasflaschen, in denen Benzin abgefüllt war und die auf der Straße verkauft wurden. Wer braucht schon Tankstellen? Während ich weiterlief, hörte ich einen Heidenlärm hinter mir. Es war ein Truck voller Thaiboxer, die für ihre Show am gleichen Abend lautstark Werbung und dazu Kampfbewegungen machten. So etwas wäre in Deutschland undenkbar: Leute, die von ihrem Auto aus mit einem Megafon Werbung für ihren Scheiß machen. Da würden die Anwohner Amok laufen! Aber in Thailand kümmert das wohl keinen. Oder vielleicht doch, aber wer traut sich schon, es einer Horde bullig wirkender Thaiboxer direkt ins Gesicht zu sagen? Mein Interesse war zumindest sofort geweckt, denn eine Thaiboxing-Show stand eh auf meiner To-Do-Liste. Ich ging also zum Ticketschalter und fiel wie aus allen Wolken, als ich den Preis erfuhr. Das Ganze sollte 45 Euro kosten. Das ist in etwa mein Budget für zwei Tage in Asien. Also verabschiedete ich mich von der Idee und ging stattdessen zur Bushaltestelle, um mich über den Fahrplan zu informieren, denn ich wollte am nächsten Tag nach Phuket Town, um dann von dort aus den Minibus nach Nakhon Si Thammarat zu nehmen. Im Grunde wusste ich nichts über diese Stadt, aber der Name war so interessant, dass ich beschloss, einfach hinzufahren. Auf dem Rückweg zu meinem Guesthouse habe ich dann einen weiteren, diesmal überdachten Markt gefunden. Dort konnte ich abgekochte Hähnchen mit Kopf, lebendige Frösche, tote, gehäutete Frösche, Kraben, die wie übergroße Zecken aussehen und Unmengen von Fisch bestaunen. Aber gegessen habe ich davon nichts!

 

Am Tag darauf checkte ich aus und lief zu der erwähnten Busstation. Der Bus stand bereits da und es hieß, es ginge in zehn Minuten los. Nach und nach füllte sich der Bus mit Thais. Ich war der einzige Ausländer in diesem Bus. Obwohl Phuket Town nur eine halbe Autostunde von der Patong Beach entfernt lag, brauchten wir etwa 90 Minuten hin, denn auf dem Weg stiegen immer mehr Menschen zu. Der sehr junge Fahrkartenverkäufer und der alte Busfahrer waren ein eingespieltes Team und so gab der Junge dem Alten immer ein Zeichen, sodass dieser links ranfahren konnte (ja links, denn in Thailand ist ja Linksverkehr). Einmal als der junge Kerl kassierte, fiel ihm eine Münze aus der Hand und rollte auf mich zu. Erst im letzten Moment erinnerte ich mich, dass es Majestätsbeleidigung ist, wenn man auf eine Münze tritt, denn vorne ist das Abbild des thailändischen Königs zu sehen. Majestätsbeleidigung ist in Thailand eine ernsthafte Straftat! In Phuket Town angekommen, suchte ich mir erst einmal ein günstiges Hotel. Das war in der Umsetzung etwas schwieriger, als es sich vielleicht anhört. Aus welchen Gründen auch immer waren die Zimmerpreise aller Hotels sehr hoch. Es war praktisch nichts unter 13 Euro zu finden. Für mich völlig unverständlich, denn es war Nebensaison und Phuket Town hat keinerlei Charme. Wer würde hier schon hinwollen? Nachdem ich mich in drei Hotels erkundigt habe, fragte ich in einem kleinen Laden, ob sie irgendwelche billigen Hotels kennen. Die Kassiererin verstand kein Wort Englisch und verwies mich an eine Kundin und die junge Frau war so freundlich, mich zu einem Hotel im unteren Preisegment zu fahren. Leider erwies sich auch dieses Hotel als ungeeignet. Es kostete zwar nur zehn Euro die Nacht, aber es sah aus! Also lief ich weiter und entdeckte per Zufall ein Hostel, dass nur rund fünf Euro pro Nacht in einem Zehn-Bett-Zimmer verlangte. So muss das! Dort blieb ich die Nacht und machte mich am nächsten Morgen mit Sack und Pack auf. Vor der Busfahrt wollte ich noch zum Post Office und zum Offiziellen T.A.T. (Tourist Information). Obwohl es ein wenig nieselte, lief ich los, ohne die Überzüge über meine beiden Taschen zu machen. Das war ein Fehler, denn nach und nach wurde der Regen stärker und stärker. Bis ich das Post Office nach rund anderthalb Stunden fand, war ich komplett durchnässt. Aber nach Abgabe der Postkarte täuschte ich keine Müdigkeit vor, ging raus in den strömenden Regen, ich war ja eh schon nass und machte mich auf zum T.A.T., das ich natürlich nicht fand! Ich suchte Unterschlupf in einem kleinen Laden und überdachte meine Situation. Ich kaufte mir ein Regenponcho und nahm mir ein Motorrad-Taxi zum Busbahnhof. Vielleicht war das Motorrad nicht die klügste Wahl eines Beförderungsmittels, aber ich wollte nur noch weg aus dieser nassen, hässlichen Stadt. Ich ließ mich also zum Busbahnhof fahren und hatte gleich mehrere Nahtoderfahrungen. Es macht überhaupt keinen Spaß, wenn übergroße Geländewagen mit Schmackes an dir vorbei ballern, während es wie aus Eimern schüttet. Das werde ich nicht sobald wiederholen! Am Busbahnhof angekommen, kaufte ich mir ein Ticket nach Nakhon Si Thammarat. Nach geschmeidigen 40 Minuten Wartezeit bestieg ich den vollgepackten Minibus und es ging los. Und wieder war ich der einzige Ausländer im Bus!

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