Ko Samui – Teil 2

Den zweiten Morgen auf Samui begann ich mit einem spartanischen, aber teureren Frühstück in einem dieser Restaurants mit traumhaften Ausblick auf das Meer. Während ich so dasaß und aß, sah ich drei Mädels ihre Strandtücher unweit meines Platzes ausbreiten. Da ich eh nichts Besseres zu tun hatte, ging ich zu ihnen rüber und sprach sie an. Ich beschloss nämlich, dass ich das a) kann und b) es ok ist, Leute im Urlaub anzulabern. Es stellte sich heraus, dass es drei deutsche Studentinnen sind, die in ihren Semesterferien ein wenig Strandurlaub machen. Sie hießen Laura, Melanie und Tanja. Laura und Tanja studieren natürlich in Berlin, Melanie hingegen in Halle an der Saale. Da es sehr warm war, sprang ich ebenfalls ins Meer. Da ich keine Badesachen mitgenommen habe – eigentlich wollte ich ja nur frühstücken – sprang ich mit meiner kurzen Hose ins Meer. Seitdem stinkt übrigens mein Ledergürtel wie eine Jauchegrube (Notiz an mich: Ich brauche einen neuen Gürtel!). Wir verbrachten bestimmt zwei Stunden im Wasser und natürlich holte ich mir einen krassen Sonnenbrand auf der Kopfhaut, der Nase, den Schultern und eigentlich dem gesamten Oberkörper. Aber ich hatte mich eingecremt! Insgesamt verbrachten wir den gesamten Nachmittag zusammen.

Dabei unterhielt ich mich am längsten mit Melanie, denn sie konnte mir als Tochter eines Deutschen und einer Thai viel über das Land und die Leute berichten. So erzählte sie mir zum Beispiel, dass in Thailand um 8 Uhr und um 18 Uhr an allen öffentlichen Plätzen die Nationalhymne gespielt wird. Das habe ich ja einige Wochen zuvor am Bangkok Hauptbahnhof nur so halb mitgekriegt. Außerdem erzählte sie mir, dass Thais nie in Bikini baden gehen würden, sie lassen ihre Shorts und T-Shirts an. Ich habe das bereits beobachten können, habe mir aber dabei nichts weiter gedacht. Und sie erzählte mir, dass man Bier in Thailand nicht zu jeder Uhrzeit in Läden kaufen kann. Um 9 Uhr oder 10 Uhr werden die Bier-Kühlschränke verschlossen und erst um 16 Uhr wieder geöffnet. Ein paar Tage nachdem mir Melanie das erzählt hat, habe ich das extra beobachtet und es stimmt. Ich fragte den Verkäufer und er sagte, der Verkauf von Bier sei erst wieder nachmittags möglich. Abgefahrenes Land! Am späten Nachmittag trennten sich die Wege von den Mädels und mir auch wieder, da sie sich fertig machen mussten für die Fullmoon-Party auf Ko Phangan, einer der benachbarten Inseln. Die Fullmoon-Party ist im Grunde ein großes Saufgelage mit Technomucke und Drogen, also soetwas wie die thailändische Version der früheren Berliner Loveparade. Ich hingegen bin wieder zurück in mein Guesthouse und hab mir den Sand vom Körper geduscht. Da ich das Mittagessen praktisch übersprungen habe, ging ich dann noch mal los, um wenigstens ein gutes Abendessen genießen. Und meine Wahl fiel überraschenderweise wieder auf Mussaman. Ein großartiges Gericht!

Am Tag darauf war ich ja mit Alex und Manu verabredet. Wir wollten uns am Pier ein Boot leihen oder mieten und zum nahe gelegenen Nationalpark rausfahren. Daraus wurde aber nichts, da es keine einzige Möglichkeit gibt auf eigene Faust rüberzufahren. Es gibt ausschließlich diese öden Massentouren, ätzend! Natürlich hätten wir uns eine kleine Yacht mieten können, aber leider wollten wir keine 600 Euro ausgeben. Da wir nicht wussten, wie wir das jetzt mit dem Boot anstellen sollten, beschlossen wir um Rat zu fragen. Wir wussten, dass ganz in der Nähe ein deutscher Auswanderer sein Restaurant hatte. Manche von euch werden ihn vielleicht von ‘Goodbye Deutschland’ oder ‘Auf und davon’ oder so auf VOX kennen. Keine Ahnung, ich gucke kein Fernsehen. Einen Tag zuvor habe ich am Strand mit einer Deutschen geschnackt, die mir davon erzählte und grob den Weg wies. Jedenfalls beschlossen wir, diesen Auswanderer um Rat zu fragen, also ließen Alex und Manu ihr geliehenes Moped stehen und wir machten uns zu Fuß auf. Nach gefühlten 14 Kilometern fanden wir den Typen in seinem Laden. Er war ohne ersichtlichen Grund megagestresst! Er war mir sofort unsympathisch. Er erklärte uns, dass es keine Möglichkeit für Individualtouren gibt, verkaufte uns noch was Kaltes zu trinken und fuhr dann mit seiner Thaifreundin auf seinem Moped weg. Später erzählte mir Manu, dass er eigentlich mit seiner deutschen Frau ausgewandert ist, sie schwanger geworden, mit dem Kind nach Deutschland gefahren ist und einfach nie wiedergekommen ist. Da wir keine Möglichkeit sahen, in den Nationalpark zu kommen, beschlossen wir uns einen Wagen zu nehmen und Samui genauer zu erkunden. Also gingen wir zurück zum Moped von Alex und Manu und sie fuhren los, einen Wagen zu besorgen. Zurück kamen sie mit einem kleinen Jeep, der genau drei Personen Platz bot. Punktlandung! Unser erstes Ziel war ein nettes Restaurant nahe der Straße, das Alex und Manu einen Tag zuvor entdeckt hatten. Dieses hatte einen traumhaften Ausblick auf das Meer und eine Hängematte, um diesen zu genießen. Nach dem echt guten Essen und diversen Fruchtshakes (ich liebe diese Dinger!) liefen wir ins Meer rein, denn es war Ebbe. Man konnte etwa 50 Meter weit ins Meer reingehen und man war immer noch nur bis zur Hüfte im Wasser. Alex und ich vertrieben uns die Zeit damit, Krebse zu ärgern. Abwechselnd hoben wir größere Steine hoch, unter denen sie sich versteckt hielten. Dann liefen sie superflink weg und versteckten sich unter dem nächstbesten Stein.

Danach fuhren wir weiter, um uns ein paar Wasserfälle anzugucken. Auf Samui haben Wasserfälle so malerische Namen wie ‘Wasserfall 1′ und ‘Wasserfall 2′. Leider waren alle Wasserfälle, die wir aufsuchten ausgetrocknet. Ein Wasserfall neben einem kleinen Tempel wurde sogar über einen Wasserschlauch gespeist. Wirklich lächerlich! Das coole war aber, dass wir über schwieriges Gelände fahren mussten, um die Wasserfälle zu erreichen, das macht mit einem Jeep natürlich viel mehr Spaß als mit anderen PKW. Unterwegs sahen wir auch eine an einem Baum angeketteten Wasserbüffel. Ich wollte näher ran, um ein Foto zu machen, Alex wollte das Ding streicheln. Alex will immer irgendwelche Tiere streicheln, selbst wenn sie gefährlich sind. Jedenfalls bekam der Büffel Angst und lief mehr oder minder weg, sprich soweit er mit dem Seil am Ring in seiner Nase konnte. Danach gaben wir die Suche nach einem echten Wasserfall auf und fuhren zu einem Markt, um uns die abgefahrenen Sachen, die dort angeboten werden, anzugucken. So gibt es in Thailand zum Beispiel rosa Hühnereier! Ich habe soetwas nie gesehen. Da es bereits langsam dunkel wurde, fuhren wir in ein/e Restaurant/Bar auf einem Hügel, von wo aus es möglich ist, über die halbe Insel zu gucken. Wir sahen uns den Sonnenuntergang an und blieben noch ein paar Stunden, da es wirklich traumhaft auf dieser Plattform war. Vereinzelt konnte man Feuerwerk sehen und Boote auf dem Meer, die hell leuchteten. Es war ein perfekter Ausklang für den Tag.

Da wir uns den Jeep für zwei Tage gemietet haben, nutzten wir auch meinen letzten vollen Tag auf Samui für eine Tour um die Insel. Als allererstes fuhren wir auf einen Markt, denn Alex und Manu wollten sich leckere Currypaste für zuhause holen. Ich hingegen probierte getrockneten Fisch, den mich die nette Standverkäuferin gratis probieren ließ. Im Anschluss fuhren wir weiter und entdeckten einen Strandabschnitt, der perfekt war, um baden zu gehen, also sprangen wir ins Meer. Natürlich holte ich mir wieder einen Sonnenbrand. Ich hatte mich aber vorher auch nicht eingecremt. Nach dem Schwimmen fuhren wir zu einer nahe gelegenen Schmetterlingsfarm. Diese war aber recht unspektakulär, kaum Schmetterlinge und alle relativ klein. Definitiv die fünf Euro nicht wert! Außerdem habe ich an dem Tag das BESTE EIS DER WELT gegessen. Es war in einer Kokosnussschale gereichtes Vanilleeis mit süßem gekochten Reis, gebratenen Bananenstückchen, Süßkartoffelstückchen und Kokosnussraspeln. Ein Traum! Ohne Scheiß jetzt, ein Traum! Das Eis haben wir eher per Zufall entdeckt. Wir hielten an einem Aussichtspunkt, an dem Alex und Manu immer und immer wieder vorbeifuhten, ohne anzuhalten. An dem Tag aber beschlossen wir kurz anzuhalten und wenigstens einen Blick auf das Meer zu riskieren. Und da stand der Wagen mit diesem traumgewordenen Eis!

Dann haben wir uns noch ‘Großvater’ und ‘Großmutter’ angeguckt. Das sind Gesteinsformationen, die wie ein Penis beziehungsweise eine Vagina aussehen (sollen!). Es war echt unspektakulär! Und das sollen Samuis Wahrzeichen sein? Wir waren uns nicht mal sicher, ob wir ‘Großmutter’ wirklich gesehen haben. Übrigens sind ‘Großvater’ und ‘Großmutter’ natürlich nur die deutschen Übersetzungen fur die eigentlich thailändischen Bezeichnungen für diese ‘Sehenswürdigkeiten’. Den Abend ließen wir ein weiteres Mal auf dem Hügel mit dem geilen Ausblick ausklingen. Während Alex wegdöste, schnackten Manu und ich über Gott und die Welt und genossen den Ausblick (von der Insel, nicht von Alex). Später fuhren sie mich zum Guesthouse zurück und wir verabschiedeten uns von einander, denn Alex und Manu sollten am übernächsten Tag zurück nach Deutschland fliegen und ich nach Myanmar.

One Comment to "Ko Samui – Teil 2"

  1. Ina sagt:

    Das Bild von dir in der Hängematte ist echt toll, wird gleich ausgedruckt!!

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