One Night in Bangkok (II)

Die Fahrt nach von Samui nach Bangkok, von wo aus mein Flieger nach Myanmar gehen sollte, dauerte geschlagene 17 Stunden. Unter anderem hatten wir einen Aufenthalt in Don Sak von etwa drei Stunden. Als wir irgendwann 20 Jahre später in Bangkok ankamen, war ich fix und fertig. Ich wollte nur so schnell wie möglich ein Hotel finden und schlafen gehen. Glücklichetweise lernte ich beim Aussteigen aus dem Bus Jepp , einen entspannten Dänen kennen, der ein gutes Hotel in der Nähe kannte, also suchten wir das Hotel auf und teilten uns auch direkt ein Hotelzimmer. Das ist wesentlich günstiger, als sich ein Einzelzimmer zu nehmen. Wir gingen sofort pennen. Da ich vor dem dem Flug nach Myanmar nur einen Tag in Bangkok hatte, war die einzige wirklich wichtige Aufgabe hier , mich mit ausreichend Dollar auszustatten, denn in Myanmar gilt nur der Kyat als Landeswährung und der Dollar (und seit kurzem der Euro) als ausländische Währung. Die Dollarnoten müssen aber in einem perfekten Zustand sein, also am besten neu! Sollten da Knicke, Risse, Löcher oder Flecken zu finden sein, wird die Dollarnote von den Burmesen nicht angenommen.

Nur kurz zur Begriffsbestimmung:
Früher hieß das Land Burma, aber die Militärjunta wollte keinen Namen, der an die britische Besatzungszeit erinnert uns so änderte sie den Namen in Myanmar um. Ebenso wurden einige Städtenamen geändert. Die Leute hier haben aber offensichtlich nicht mitentscheiden dürfen. Darum schreibe ich zwar Myanmar, wenn ich den Staat meine, aber ihre Einwohner nenne ich Burmesen.

Jedenfalls war es wichtig, dass ich nicht mit wertlosem Monopolygeld, sprich mit Dollarscheinen in inakzeptabelem Zustand einreise. Und doch hat mich die 17-stündige Fahrt von Samui nach Bangkok dermaßen geschafft, dass ich beinahe 11 Stunden am Stück geschlafen habe und erst um die Mittagszeit rum losgegangen bin. Da Jepp und ich hungrig waren, frühstückten wir zuerst einmal in einer der zahlreichen Garküchen und gingen dann auf die Suche nach einer Bank. In der ersten hieß es, dass sie keine (perfekten?) Dollarnoten haben und gaben mir den Namen einer anderen Bank. Diese Bank haben wir aber nirgends gesehen, also fragte ich in mindestens drei Wechselstuben und wieder ohne Erfolg. Wir änderten unsere Strategie und gingen zuerst zu der T.A.T. (Touristeninformation), denn Jepp musste in Erfahrung bringen, wie er am besten nach Chiang Mai kommt. Man empfahl ihm, den Zug zu nehmen. Mir hingegen konnte die Frau nicht helfen. Sie war geradezu grob. Natürlich war sie grob, denn sie konnte mir ja auch nichts verkaufen, wir waren nämlich nicht im offiziellen T.A.T., sondern einer Filiale der Betrüger, die Veronika und mir die überteuerte Elefantentour angedreht haben. Jepp war der festen Überzeugung, dass das das offizielle T.A.T. ist. Erst nachdem ich ihn darauf hinwies, dass eine Touristeninformation sicherlich keine Touren verkauft, sondern wie der Name es sagt, lediglich Informationen bietet, realisierte er wie oft er hier schon Sachen gebucht hat und wie oft er hier möglicherweise bereits abgezockt wurde. Nach dieser ernüchternden Erkenntnis wechselten wir wieder zu unserer Ausgangsstrategie und suchten weiter nach Banken in der Umgebung. Ich sah eine Bank, in der ich noch nicht nachgefragt habe (in Thailand gibt es zehntausend verschiedene Banken) und ging hinein. Diese war sehr groß und sah repräsentativ aus, konnte mir aber auch keine perfekten Dollars anbieten, aber zumindest einen weiteren Namen einer Bank nennen, die das wohl könne: Bangkok Bank. Die Frau am Schalter beschrieb auch den Weg dorthin. Wir fanden die Bank dann auch prompt und ich konnte endlich Geld tauschen. Ich hob 1.000 Dollar ab und untersuchte jeden Schein akribisch. Die Bankfrau machte zwar einen gereizten Eindruck, aber das war mir gelinde gesagt vollkommen egal. Immerhin tauschte ich gerade mein Reisebudget für einen Monat. Sechs Scheine ließ ich zurückgehen, weil sie Mängel hatten. Drei davon konnten mit einem Radiergummi beseitigt werden, die anderen drei Scheine (immerhin 111 Dollar) musste sie neu heraussuchen. Glücklich ging ich ins Hotel zurück und schloss das Geld im Zimmer ein. Danach machten wir uns auf den Weg zum Hauptbahnhof, um ein Zugticket für Jepp zu kaufen. Während wir so am Schalter standen, erklang die thailändische Nationalhymne. Diese wird an allen öffentlichen Plätzen um 8 Uhr und 18 Uhr gespielt. Diesmal wusste ich auch, was zu tun war. Ich stand also still und guckte mir die stumme, stehende Menschenmenge an. Wie ein vorher verabredeteter Flashmob, irre! Nach dem Kauf des Tickets fuhren wir wieder ins Hotel und suchten uns ein nettes Restaurant in der Nähe, wo wir zur Feier des Tages ein gutes europäisches Essen und ein Feierabendbier genossen. Bevor es dann wieder ins Hotel ging, liefen wir etwas die Verkaufsstände ab und suchten nach einem Buch für Jepp, denn er hatte am nächsten Tag ja eine mindestens zwölfstündige Zugfahrt vor sich. In einem der Bücherläden entdeckte ich auch Bücher von meinem Lieblings-Fantasyautor, David Eddings, aber leider nicht das erste Band der Reihe, die ich in meinem Leben bestimmt schon sieben Mal gelesen habe, sondern lediglich Band zwei und drei. Es wäre interessant gewesen, die Bücher auch mal auf Englisch zu lesen. Außerdem habe ich eine benutzte Myanmar-Ausgabe des Lonely Planet gefunden, aber die war mir mit 9 Euro zu teuer und nicht aktuell genug. Am Folgetag, also am Tag meines Abflugs, kaufte ich mir dann doch noch ein anderes Exemplar für umgerechnet 13 Euro. Dieses Buch war neu und von 2011, aber natürlich kein Original, sondern komplett fotokopiert und gebunden. Keine Seltenheit hier in Thailand!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Switch to our mobile site